Erinnerungskultur

Asbach-Bäumenheim im Nationalsozialismus - das ist ein dunkles Kapitel unserer Ortsgeschichte, dessen Spuren noch heute im Ortsbild sichtbar sind und die das kollektive Gedächtnis unserer Gemeinde geprägt haben. Über tausend Gefangene waren hier zur Zwangsarbeit in Industrie und Landwirtschaft eingesetzt. Am 19. März 1945 erlebte der Ort mit einem verheerenden Luftangriff den dunkelsten Tag seiner Geschichte, etwa 175 Menschen kamen auf grausame Weise um ihr Leben. 

Unsere Ziele: 

- Setzung einer "Stolperschwelle" in der Ortsmitte  zum Gedenken an die Opfer des KZ-Außenlagers - geplanter Termin: Juni 2022

- Erforschung der NS-Geschichte in unserer Gemeinde und Dokumentation von Einzelschicksalen

Zwangsarbeit und NS-Terror

 

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Menschen aufgrund ihrer politischen Einstellung, Religion, Herkunft oder sexuellen Orientierung systematisch ausgegrenzt und verfolgt. Millionen von ihnen kamen in den Konzentrationslagern unter für uns unvorstellbar grausamen Bedingungen ums Leben.

Im Sommer 1944 wurde auch in Bäumenheim ein Außenlager des Konzentrationslagers Dachau errichtet, in dem rund 500 Häftlinge für die Rüstungsproduktion eingesetzt waren. Unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen wurden hier Teile von Flugzeugen produziert, die andernorts Tod und Zerstörung brachten. Mehrere Häftlinge starben im Außenlager Bäumenheim an Entkräftung, Mangelernährung und an Infektionskrankheiten, die sich auf engstem Raum und bei mangelnder Hygiene rasch ausbreiteten. Zahlreiche Häftlinge wurden krank und arbeitsunfähig in andere Lager verbracht, wo sie wenig später verstarben. Beim schweren Fliegerangriff auf Asbach-Bäumenheim am 19. März 1945 zählten etwa 60 KZ-Häftlinge zu den Opfern. Auch außerhalb dieses Außenlagers waren Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene in Asbach, Bäumenheim und Hamlar in Industrie und Landwirtschaft in großer Zahl eingesetzt, wobei auch hier viele Gefangene in Asbach-Bäumenheim den Tod fanden.

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Franz Schinnerl 1.jpg

Setzung einer Stolperschwelle in der Ortsmitte

Der Künstler Gunter Demnig erinnert seit 1996 mit seinem Projekt „Stolpersteine“ an die Opfer des Nationalsozialismus in ganz Europa. Vor dem letzten freiwilligen Wohnsitz einer Person werden dabei Gedenksteine aus Messing im Boden verlegt, auf denen die Eckdaten der Biografie des Betroffenen angebracht werden. Zum Opfergedenken an zentralen Orten der NS-Verfolgung wie in Bäumenheim kann eine „Stolperschwelle“ angebracht werden, auf der mit wenigen Zeilen dokumentiert wird, was am jeweiligen Ort geschah. Mittlerweile wurden über 75.000 Steine in 26 Ländern verlegt.

 

Ein Stolperstein mit Bezug zum Außenlager Bäumenheim findet sich beispielsweise für den NS-Verfolgten Franz Schinnerl (1910-1945) in der Salzburger Altstadt (Abbildung links). Der  Hotelangestellte Schinnerl wurde im Oktober 1941 aufgrund seiner Homosexualität verhaftet und 1942 in das Konzentrationslager Dachau verbracht. Von dort kam er 1944 in das Außenlager Bäumenheim. Den verheerenden Fliegerangriff am 19. März 1945 überlebte er nur knapp. Geschwächt durch die unmenschlichen Haftbedingungen starb er am 9. Mai 1945, einen Tag nach Kriegsende, im befreiten KZ Dachau an einer grassierenden Infektionskrankheit.

 

Gemeinsam mit Gemeinederat Florian Mittler (PWG) haben die Heimatfreunde im Januar 2021 einen Vorschlag in den Gemeinderat eingebracht, im Gebiet der neuen Ortsmitte eine Stolperschwelle zum Gedenken an die Opfer des KZ Außenlagers in Bäumenheim unter Einbeziehung aller Opfer von Zwangsarbeit in Asbach-Bäumenheim zu verlegen. Nach Rücksprache mit der Stiftung kann die Verlegung nun voraussichtlich im Juni 2022 erfolgen.

 

 

 

Josef Pilawski - Bericht eines Überlebenden

Ich bin am 29. Februar 1942 in Polen verhaftet worden und in das KZ-Lager Auschwitz gekommen. Mein Aufenthalt war zirka 2 Jahre. Nach der Verhaftung, in Auschwitz, war ich pausenlos, Tag und Nacht verhört. Das Verhör damals war mit Folterungen, war grausam. Nach 2jährigem Aufenthalt in Auschwitz kam ich nach Flossenbürg und arbeitete unter schweren Qualen im Steinbruch. Wieder nach einem Jahr kam ich nach Dachau. Nach kurzer Zeit im Hauptlager bin ich nach Pfersee bei Augsburg in das Flugzeugwerk Messerschmitt zugeteilt worden. Nach Bombardierung in Augsburg bin ich wieder, nach Bäumenheim, auch zu Messerschmitt, verschickt worden. Dort erlebte ich schwere Bombardierung am 19. März 1945, mittags. Wie durch ein Wunder bin ich damals am Leben geblieben. Nach der Bombardierung in Bäumenheim sind wir in einer Kolonne nach Dachau marschiert. Kurz vor Fürstenfeldbruck bin ich von der Kolonne geflohen und durch Wälder, Felder nach zwei Nächten in eine Ortschaft gekommen. Endlich war ich in Freiheit: Nach so vielen Jahren Leiden, Hunger und Folterungen begann wieder ein neues Leben.“

Ehemaliger KZ-Häftling Josef Pilawski (1905-1989)