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Die Antoniuskapelle 

Zur Geschichte der Kapelle

Die Mauern des Chorraumes der Antoniuskapelle werden in in das 15. Jahrhundert, die Epoche der Spätgotik, datiert. Dies bedeutet, dass wohl schon im späten Mittelalter ein kleines Gotteshaus in Bäumenheim existierte. Zu dieser Zeit und noch bis ins 19. Jahrhundert bestand der um 1250 erstmals erwähnte Ort nur aus wenigen Höfen und einer Mühle an der Schmutter. Der kleine Weiler bildete deshalb auch keine eigene Pfarrei, sondern war dem Seelsorger von Mertingen zugeteilt. Doch die dortige Kirche war über drei Kilometer weit entfernt und ein regelmäßiger Kirchgang in den Hauptort damit beschwerlich. Eine Kapelle in Bäumenheim erleichterte die Seelsorge dementsprechend.

In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) wurde Bäumenheim von Plünderungen und Seuchen heimgesucht. Im Jahr 1640 resümierte ein Schreiber: „Baimheim ist ein Terffle, der Zeit aber ruiniert.“ Wenn also zu dieser Zeit bereits eine kleine Kirche in Bäumenheim bestand, litt vermutlich auch sie massiv unter den Zerstörungen des Krieges.

 

Die Erbauung der Kapelle in ihrer heutigen hochbarocken Form ist durch die Schilderungen in einem Amtsbuch der Mertinger Pfarrei genau datierbar: Am 16. Juni 1687 legte man mit Genehmigung des Augsburger Bischofs unter der Ägide des Westendorfer Dekans Lorenz Lederer den ersten Stein für das neue Gotteshaus, gehörte doch Mertingen mit seiner Filiale Bäumenheim zu dieser Zeit zum Dekanat Westendorf. Zur Grundsteinlegung hatten sich auch zahlreiche geistliche Repräsentanten der Region eingefunden, unter ihnen der Auchsesheimer Pfarrer G. Paul Fischer, der Oberndorfer Pfarrer G. Jakob Bürckert und der Asbacher Seelsorger Gregor Brugger. Ein Eintrag in einem Protokollbuch des Augsburger Domkapitels vermerkt am 13. Dezember 1688, dass der Auchsesheimer Pfarrer, einen vom Domkapitel geliehenen Kelch der „neu erbawte(n) Capell zu Babenheim“ zur Verfügung stellte, bis diese einen eigenen Messkelch anschaffen konnte. Ende 1688 war die Kapelle also bereits so weit fertiggestellt, dass dort die Heilige Messe gefeiert werden konnte.

Am Sonntag, den 1. Oktober 1690, weihte der Augsburger Weihbischof Johannes Eustache Egolf von Westernach die „Ehrwürdige Sancti Antonii de Padua Capellen in Banheimb“ mit einem feierlichen Gottesdienst und wiederum unter Mitwirkung zahlreicher Konzelebranten, darunter zwei Pater des Kapuzinerklosters in Donauwörth, welches ebenfalls ein Ort besonderer Antoniusverehrung war.

Über die Einweihung berichtet der Mertinger Pfarrer David Breis:

 

„Vor und nach der heiligen Weihung der Capellen seint von unterschiedlichen anherkommenden Leuten, klein und groß, gefirmt worden: tausendachthundertfünfzehn [1815]; nach vollendetem heiligen Gottesdienst ist in dem Pfarrhof ein Mahlzeit gehalten worden [...]“ 

Der hohe Besuch durch den Weihbischof und der Andrang der vielen Gläubigen zeigen deutlich: Mit der Antoniuskapelle wurde keine einfache Feldkapelle geweiht, vielmehr hatte man ein ansehnliches Gotteshaus mit überregionaler Ausstrahlung errichtet. Das große Interesse der Bevölkerung war Ausdruckbarocker Volksfrömmigkeit, in der sich Wallfahrten und die Verehrung des Heiligen Antonius von Padua zunehmender Beliebtheit erfreuten. Wer die Finanzierung der Kapelle übernahm, ist nicht eindeutig geklärt. Neben der Kirchenstiftung dürfte das Domkapitel Augsburg als Patronatsherr der Pfarrei Mertingen den Bau unterstützt haben. Der Schreiber erwähnt auch die „Beihilf guter Freund“, womit Spenden aus der Bevölkerung gemeint sein könnten. Auf einem Deckengemälde und im Giebel des Altars findet sich das Wappen der Grafen Fugger von Kirchberg-Weißenhorn. Die unter dem Altarswappen angebrachte Inschrift lautet:

 

F.F.M.T.V.M.V.G.F.

G.V.K.V.W.F.Z.B.K.V.

NA.ST. /MDCLXXXVIII [1688]

 

Der Beginn der zweiten Zeile konnte als Kürzung des Titels „Graf von Kirchberg von Weißenhorn“ aufgelöst werden. Die erste Zeile konnte allerdings nicht als Namenskürzung eines Familienmitglieds der Fugger aufgelöst werden. Auch im Fürstlich und Gräflich Fuggerschen Familien- und Stiftungsarchiv in Dillingen befinden sich keine Unterlagen, durch die sich eine Stiftung der Kapelle nachweisen lässt. Letztlich kann man also nur vermuten, dass sich die Grafen Fugger am Bau beteiligten, was auch die verhältnismäßig prunkvolle Ausführung erklären würde. Die Fugger besaßen viel Eigenbesitz in der Gegend um Bäumenheim und hatten zu diesem Zeitpunkt das Gebiet südlich von Donauwörth, die sogenannte Reichspflege Wörth, inne. Die Übernahme der Reichspflege durch Marquard Eustach Fugger im Jahr 1687 und seine Heirat mit Anna Franziska Felicitas Fugger am 18. Juli 1689 - zwei markante Ereignisse in der Erbauungszeit der Kapelle – könnten mit einer Stiftung in Zusammenhang stehen.

 

links: Johannes Eustache Egolf von Westernach auf einem Gemälde in der Pfarrkirche St. Michael in Stockheim (Foto: Thomas Mirtsch); rechts: Eintrag in einem Protokollbuch des Augsburger Domkapitels

Zahlreiche Gestaltungselemente im Inneren der Kirche haben sich bis heute so erhalten, wie sie schon bei der Einweihung 1690 vorzufinden waren. Die drei Altäre und einige Deckengemälde stammen aus dieser Zeit. Aufschluss über die weitere Einrichtung und das Aussehen der Antoniuskapelle in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts geben einige Rechnungen aus der Zeit um 1770. Damals wurde die Kirche verschiedenen Renovierungsarbeiten unterzogen und zu diesem Zweck engagierte man mehrere Handwerker aus der Region: Der Glasermeister Peter Rigel erneuerte drei Fensterflügel mit je 16 Butzenscheiben, denn der Wind hatte die alten Gläser zerborsten. Der Mertinger Maurermeister Jacob Holtzapfel gab der Kirche mit seinen drei Gesellen einen neuen Verputz und strich die Außenfassade in einem hellen Rotton. Der Ziegler Georg Krantzfelder aus Buttenwiesen verschaffte dem „Heiligen Anthoni Kirchli in Beimi“ den nötigen Kalk für die Maurerarbeiten. Anton Bergmiller, ein Schreinermeister aus Mertingen, lieferte 1778 „11 neue Kirchenstiel mid Sidtz und Kniebenckhlen“  und eine neue Kanzel für die Kirche.

Für solche kleineren Renovierungen oder auch die Beleuchtung der Kirche mit Wachskerzen kam die für diese Zwecke errichtete Bäumenheimer Kirchenstiftung auf. Sie war entsprechend der Größe des Ortes freilich nicht besonders reich. Die Kasse wurde von einem Heiligenpfleger verwaltet. Diese Pfleger werden mit Augustin Fech (*1720 †1775) und seinem Nachfolger Michael Stehle (*1723 †1805) schon früh namentlich genannt. In den 1760er Jahren tritt mit Michael Schweihofer auch ein Bäumenheimer Mesner in Erscheinung. Er hatte unter anderem die Aufgabe, die Kirche am Antoniustag (13. Juni) mit jungen Birken zu schmücken, wofür er vom Mertinger Pfarrer eine Aufwandsentschädigung von 4 Gulden und 16 Kreuzern erhielt.

Handwerkerrechnungen für Renovierungsarbeiten um 1770

Mit der Sicherung der Kirche durch die kleine Stiftung und die Versehung von Verwaltungs- wie liturgischen Diensten durch die Heiligenpfleger und Mesner war die Grundlage für ein lebendiges kirchliches Leben um die Antoniuskapelle gegeben. Tatsächlich wurden dort regelmäßige Messen abgehalten. Außerdem wurde am Sonntag nach dem 13. Juni das Patrozinium und am Sonntag nach Michaeli (29. September) die Kirchweih gefeiert. Doch im Jahr 1822 vermerkte der Mertinger Pfarrer:

 

„Das Kirchlein ist klein, arm, es droht eine baldige Auflösung, die Einrichtung ist gering.“

 

Der Grund für diese Missstände könnte noch in der Zeit der napoleonischen Kriege zu suchen sein. Denn mehrmalige Truppendurchzüge, Plünderungen, Missernten und die darauffolgende wirtschaftliche Krise hatten auch in Bäumenheim ihre Spuren hinterlassen.

Als sich Bäumenheim in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch den Anschluss an die Bahnstrecke zwischen Augsburg und Nürnberg zu einem aufstrebenden Industrieort entwickelte, gewann die Antoniuskapelle an praktischer Bedeutung. Denn Bäumenheim hatte nun einen steten Mitgliederzuwachs zu verzeichnen.

1868 wurde durch einen Sturm der Glockenturm stark beschädigt. Pläne, einen moderneren, sich von der Kirchenmauer leicht abhebenden Turm zu errichten, wurden nicht verwirklicht. Der Turm wurde in seiner alten Form wiederhergestellt. Um 1877 wurde die Kapelle für rund 350 Mark generalsaniert. Eine um diese Zeit eingezogene Empore schaffte zusätzlichen Platz für die Gottesdienstbesucher. Ein Inventar der Kapelle aus dem Jahr 1889 führt eine Reihe liturgischer Geräte und Messgewänder an. Reiche Bürger wie die Kommerzienratsgattin Maria Droßbach unterstützten die Anschaffung neuer Kirchenausstattung finanziell. So fanden die immer zahlreicher werdenden Bäumenheimer einen würdigen Gebetsort vor. Seit der Renovierung 1877 wurden in der Kapelle häufiger Gottesdienste und auch Hochzeiten gefeiert. Das änderte sich auch nicht mit der Verlegung Bäumenheims zur Pfarrei Asbach im Jahr 1904. Da der Raum in der dortigen Pfarrkirche bei weitem nicht für alle Asbacher und Bäumenheimer ausreichte, wurde der sonntägliche Gottesdienst regelmäßig zusätzlich in der Antoniuskapelle abgehalten. Fotografien aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigen das Gotteshaus in gutem Zustand und belegen, dass die Bäumenheimer stets für dessen Instandhaltung sorgten.

Planzeichnungen zum Wiederaufbau des Turms nach einem Sturmschaden (1868)

Die kirchenfeindliche Politik des NS-Regimes und die Schrecken des Zweiten Weltkrieges trafen die Antoniuskapelle unmittelbar. Um 1940 wurde eine über 80 Kilogramm schwere Bronzeglocke, die noch aus dem Jahr 1730 stammte, abtransportiert und zu Rüstungszwecken eingeschmolzen. Nur die kleinere Glocke aus der Erbauungszeit der Kapelle überstand die Kriegsjahre unbeschadet. Am 19. März 1945 erlebte Bäumenheim den wohl dunkelsten Tag seiner Geschichte, als ein verheerender Bombenangriff auf den Ort weit über 100 Menschen das Leben kostete. Die Antoniuskapelle wurde dabei glücklicherweise kaum beschädigt, obwohl die meisten benachbarten Häuser stark zerstört wurden und zum Teil dem Raub der Flammen zum Opfer fielen. In der Kapelle mussten nur die zerborstenen Fensterscheiben durch eine Notverglasung ersetzt werden. Die Nachwirkungen der Erschütterungen verschlechterten den Zustand des Gebäudes in den folgenden Jahren. In dieser mageren Zeit konnte außerdem kein Geld für eine Renovierung aufgebracht werden.

Nach dem Ende des Krieges kamen rund 1000 Heimatvertriebene nach Bäumenheim. Zahlreiche neue Mitbürger stammten aus protestantisch geprägten Regionen und suchten nun in der bisher weitgehend katholischen Gemeinde einen geeigneten Gebetsort. Die Pfarrei stellte daraufhin die Antoniuskapelle für die Gottesdienste der evangelischen Gemeinde zur Verfügung. Im Gegenzug sollte sich diese an der Instandhaltung des Hauses beteiligen.

Durch den Pfarrgemeinderat wurde das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege Ende der 1960er Jahre auf den schlechten Zustand des geschichtsträchtigen Gebäudes aufmerksam. Auf Drängen des Amtes hin nahm die Gemeinde zwischen 1968 und 1972 Ausbesserungen am Dach und der Fassade vor, die Kapelle erhielt neue Fenster sowie eine neue Turmzwiebel. Die von ständiger Feuchtigkeit angegriffenen Fundamente wurden trockengelegt. So wurde die Bausubstanz zwar vorerst gesichert, die barocke Innenausstattung hingegen dem Verfall preisgegeben. Die Kapelle wurde geschlossen und Schmutz und Staub legten sich über die einst in Gold und schillernden Farben glänzenden Figuren und Gemälde. In den 1960er Jahren geriet Asbach-Bäumenheim in eine tiefe wirtschaftliche Krise, an eine aufwendige Renovierung der ungenutzten Kapelle war deshalb nicht zu denken. Viele Bewohner waren gar der Meinung, die maroden Altäre sollten einfach zerhackt und verbrannt werden, um Restaurierungskosten zu sparen und Platz für eine einfache Neuausstattung  zu schaffen.

 

Im Jahr 1978 erklärte sich der bayerische Staatsminister für Wirtschaft und Verkehr Anton Jaumann (*1927 †1988) bereit, die Hauptaltarsfigur seines Namenspatrons auf eigene Kosten restaurieren zu lassen. Er gab damit einen wichtigen Impuls, dass das traurige Schicksal der Antoniuskapelle eine glückliche Wendung nahm. Auch die Bäumenheimer Bürger begannen nun, sich wieder mehr für ihr barockes Kleinod im Weiler zu interessieren. Unter dem Vorsitz von Reiner Mayer wurde ein „Förderkreis Antoniuskapelle“ gegründet, dem sich der Pfarrer Alois Tenschert, Bürgermeister Hans Eichhorn, Rektor Günther Strobel, Karl Eggert, der langjährige Betreuer der Kapelle, sowie Mitglieder der pfarrlichen Gremien und des Gemeinderates anschlossen. Die Gruppe beschäftigte sich nun mit der Planung der anstehenden Renovierungsarbeiten und bemühte sich, das Interesse der Bevölkerung für das Projekt zu wecken. Am 20. Februar 1978 wurde im Gasthaus Unterwirt die Eröffnung eines Spendenkontos beschlossen. Einen Grundstock erhielt das Konto mit Sofortspenden in Höhe von 160 Mark. Bürgerspenden, Geld- und Sachspenden einheimischer Firmen und die Erlöse der Antoniusfeste erbrachten schließlich die beträchtliche Summe von rund 105.000 Mark. Die hohe Spendenfreudigkeit zeigt deutlich, dass die Mühen des Förderkreises Früchte trugen. Weitere Kosten in Höhe von rund 180.000 DM übernahm die Gemeinde Asbach-Bäumenheim. Ausgestattet mit diesen finanziellen Mitteln konnte nun die umfassende Sanierung des Gebäudes beginnen. Der Pfarrgemeinderat empfahl, bei der Renovierung soweit möglich den Urzustand der barocken Kapelle zu rekonstruieren, weshalb unter anderem die um 1880 eingezogene Empore entfernt wurde. Viele handwerkliche Tätigkeiten wurden ehrenamtlich von Frauen und Männern des Ortes übernommen. Es folgte die professionelle Restaurierung der Altäre und Figuren, die alten Gemälde wurden aufgefrischt, die Fenster neu gerahmt und der Stuck erneuert. Für die Pfarrgemeinde wurden neue Sitzbänke angeschafft. Am 14. Juni 1981 war das Werk vollbracht und die Kapelle erstrahlte in neuem Glanz. Rund 300 Jahre nach ihrer Erbauung wurde die Kapelle mit einem großen Antoniusfest wieder ihrer alten Bestimmung übergeben.

Asbach-Bäumenheimer Handwerker bei den Renovierungen im Jahr 1980, von links: Josef Strobl, Josef Stuhler, Ludwig Heinzlmeir, Sebastian Reicherzer

Asbach-Bäumenheimer Handwerker bei den Renovierungen im Jahr 1980

Am 14. Juli 1983 besichtigte der Augsburger Bischof Dr. Josef Stimpfle die frisch renovierte Antoniuskapelle. Er verewigte sich bei dieser Gelegenheit auch im Gästebuch der Kapelle mit folgendem Text:

 

Die Heiligen, die ein lebendes Evangelium darstellen, mögen in der heiligen Antoniuskapelle zu Asbach- Bäumenheim den Gläubigen Gottes Schutz und Hilfe erflehen! 14-07-1983 + Josef Stimpfle, Bischof von Augsburg

 

In den letzten Jahren wurde das Umfeld der Kapelle von der Gemeinde durch einen kleinen Park verschönert, welcher den Besucher zum Verweilen einlädt. Auch die Kapelle wurde unter Herrn Pfarrer Ivan Novosel zwischen den Jahren 2006 und 2014 umfassenden Renovierungsarbeiten unterzogen. Aufgrund größerer statischer Probleme waren diese Arbeiten sehr dringlich geworden. Der Dachstuhl und die Außenfassade wurden erneuert, feuchte Fundamente wurden trockengelegt. Außerdem wurden Maßnahmen gegen den teils akuten Holzwurmbefall an den Altären getroffen. Das Glockenwerk wurde elektrifiziert und eine neue elektrische Orgel angeschafft. Die Maßnahmen wurden von der Bischöflichen Finanzkammer mit 41.400 Euro unterstützt. Durch Spenden und die Erlöse der Antoniusfeste in Höhe von rund 44.000 Euro und einen Zuschuss der Gemeinde Asbach-Bäumenheim von 10.000 Euro konnten die Gesamtkosten in Höhe von rund 118.000 Euro größtenteils gedeckt werden.

Baubeschreibung

Die Kapelle besteht aus einem dreiseitig geschlossenen Chor, der in das 15. Jahrhundert datiert wird, und einem sich vom Chor deutlich abhebenden Langhaus, dessen Bau 1687 begonnen wurde. Die markante Silhouette des Gebäudes wird durch den Dachreiter an der Westseite des Gebäudes ergänzt. Er ist quadratisch gebaut und geht nach oben hin in eine oktogone Form über, welche von einem Zwiebeldach bekrönt wird. Die Außenmauer wird von schlichten Stilmitteln des Barock wie Blendarkaden, Lisenen, Pilastern und Gesimsen geschmückt. An der Westseite befindet sich der vorgebaute Eingang der Kapelle. Sie besaß ursprünglich ein weiteres Portal an der Südseite, welches aber um 1891 zugemauert wurde. Im Inneren zeigt sich die Decke der Kapelle als massiv gemauertes Tonnengewölbe. An den rechteckigen, halbrund geschlossenen Fenstern läuft die Decke in Stichkappen zu, die sich auf Pilastern abstützen. Das Langhaus wird gegen den Chorraum durch einen Korbbogen abgeschlossen.

 

Deckengemälde und Stuck

Die Kapelle wird von fünf Deckenbildern geschmückt. Sie zeigen den Heiligen Antonius von Padua als Vermittler zwischen Gott und den Menschen. Antonius ist der Schutzpatron vieler Bevölkerungsgruppen. Entsprechend vielseitig sind die Darstellungen seiner Bittsteller auf den Malereien: Frauen, Kinder und vom Krieg Geplagte, Reisende, Bettler und sogar vom Teufel Besessene empfehlen sich dem Heiligen. Auf einem Halbmedaillon ist das Wappen der Grafen Fugger von Kirchberg-Weißenhorn angebracht. Die Malereien des Kirchenschiffs entstammen noch dem 17. Jahrhundert. Allein das Gemälde im Chorraum konnte aufgrund der Übermalungen des 19. Jahrhunderts nicht vollständig rekonstruiert werden. Der Augsburger Künstler Manfred Leitenmeier entwarf deshalb 1981 auf Grundlage der alten Gemäldereste ein neues Bild. Beachtenswert ist der Stuck, welcher die Malereien umrahmt. Die mit äußerst filigranem Eichenlaub, Eierstäben und Lorbeerblättern ausgeführte Arbeit wird Simon Stiller zugeschrieben. Stiller (†1691) war ein Kind der sogenannten „Wessobrunner Schule“, aus der im 17. Jahrhundert zahlreiche angesehene Stuckateure hervorgingen. 24 Jahre wirkte Stiller bei dem Augsburger Meister Mathias Schmuzer. Als dieser 1686 starb, übernahm Simon Stiller dessen Posten. Die Bäumenheimer Stuckelemente entstanden also auf dem Höhepunkt seines beruflichen Schaffens.

 

Der Hochaltar

Betritt man die Kirche durch den Eingang im Westen, fällt der Hochaltar im Chorraum ins Auge. Er ist dem Heiligen Antonius von Padua geweiht. Antonius wurde um 1195 mit dem Taufnamen Fernandus in Lissabon geboren. Mit 15 Jahren wurde er Augustiner-Chorherr, studierte und empfing wenige Jahre später die Priesterweihe. 1220 trat er zu den Franziskanern über und gab sich dort den Namen Antonius. Noch im selben Jahr zog er als Missionar nach Marokko, doch er wurde krank und musste Afrika bald wieder verlassen. Ein Sturm verschlug sein Schiff schließlich auf die Insel Sizilien. Antonius lebte in der Folgezeit als Einsiedler in Assisi. Bald entdeckte der Ordensgründer der Franziskaner, der Heilige Franz von Assisi, das außergewöhnliche Redetalent des jungen Mönches. Antonius wirkte fortan als Ordensoberer und Theologe in Italien. Besonderen Ruhm erlangte er allerdings durch seine zahlreichen Wanderpredigten, schon zu Lebzeiten galt Antonius als der bedeutendste Prediger seiner Zeit. Antonius starb am 13. Juni 1231 mit nur rund 36 Jahren, aber krank und entkräftet im Frauenkloster von Arcella und wurde im nahegelegenen Padua bestattet. Aufgrund der zahlreichen Wunder, die sich zu Lebzeiten um Antonius und nach seinem Tode am Grab ereigneten, wurde er bereits ein Jahr später heilig gesprochen. Besonders in unserer Gemeinde gilt der Heilige Antonius als Schutzpatron bei vielen Anliegen. Er wird unter anderen gerne von Bäckern und Reisenden angerufen, soll aber auch bei der Partnersuche nachhelfen können. Besonders beliebt ist der Heilige bei den „Schlampern“. Hat ein Bäumenheimer zum Beispiel einen Schlüssel verloren, so hört man ihn nicht selten rufen:

 

„Heiliger Antonius, kreizbraver Mâ, führ mi an mein Schlüssl nâ!“

 

Im Zentrum des Altares befindet sich in einer von vergoldetem Rankenwerk und Malereien umgebenen Muschelnische eine hochbarocke Figur des Kirchenpatrons. Im Mai 1231 soll Antonius auf dem Schloss Camposampiero das Jesuskind erschienen sein. Daher wird der Heilige mit dem Jesuskind auf dem Arm gezeigt. Das zweite Attribut, eine Lilie, symbolisiert die Seelenreinheit des Mannes. Die Antoniusfigur wird von je einer gedrehten und zwei glatten marmorierten Säulen mit korinthischen Kapitellen flankiert, links und rechts des Altars begleiten ihn seine Ordensbrüder, der heilige Franziskus und der heilige Bonaventura. Die Figur wurde 1979 von dem Pfrontner Restaurator Dasser fachmännisch restauriert. Das Gemälde im Antependium (Altarunterbau) nimmt auf zwei weitere Wunder des Heiligen Bezug: In der Darstellung begutachtet Antonius das abgeschlagene Bein eines jungen Mannes. Der Legende nach hatte sich dieser während einer Predigt in Padua das Bein aus Ergriffenheit selbst abgetrennt, um Buße für seine Sünden zu tun. Antonius fügte es auf wundersame Weise wieder an. Im Hintergrund fällt der Blick auf die Küste einer Seestadt, vor der ein großer Fisch seinen Kopf aus dem Wasser streckt. Als Antonius einmal in Rimini predigte und bei den Bewohnern auf taube Ohren stieß, soll er sich an die Fische im Meer gewandt haben, die ihm daraufhin andächtig zuhörten. Zwei Orte und zwei Begebenheiten werden hier also in einem Bild verarbeitet. Dass Padua nicht am Meer liegt, dürfte in früheren Jahrhunderten aber kaum ein Bäumenheimer bemerkt haben.

 
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Die Seitenaltäre

 

Die beiden Seitenaltäre sind der heiligen Familie geweiht. Im nördlichen Seitenaltar befindet sich die Gruppe des heiligen Josef mit dem Jesuskind. Im südlichen Altar wird die Heilige Anna mit ihrer Tochter Maria dargestellt. Beide Figurengruppen sind in Muschelnischen gefasst und werden von vier Säulen umgeben. Im Giebel finden sich die Inschriften „Sanctus Iosephus, ora pro nobis“ (Heiliger Joseph, bitte für uns) und „Sancta Anna, mater matris salvatoris, ora pro nobis 1689“ (Heilige Anna, Mutter der Mutter des Erlösers, bitte für uns 1689). Der Annaaltar wurde also 1689 fertiggestellt, vermutlich zeitgleich mit seinem nördlichen Gegenstück. Der Kunsthistoriker Dr. Franz-Xaver Portenlänger hat in einer Studie 1975 die beiden Bäumenheimer Figurengruppen mit weiteren hochbarocken Figuren verglichen. Er konnte die Schnitzereien schließlich eindeutig einem Künstler zuordnen. Es handelt sich um Werke des Tiroler Bildhauers Andreas Thamasch (*1639 †1697). Thamasch lernte bei Michael Lechleitner, dem bedeutendsten Tiroler Bildhauer des Frühbarock. Über den Meister Thomas Schwanthaler kam Thamasch mit der römischen Barockplastik Gianlorenzo Berninis in Berührung, welche seinen Stil nachhaltig prägte. Portenlänger macht die Zuordnung der Bäumenheimer Gruppen an mehreren Merkmalen fest. Vor allem die plastische Durchmodellierung der Körper, das Fließen der Gewänder und die dezent durchschimmernden Körperpartien zeichnen diese qualitätvollen Werke Thamaschs aus. Die Entstehungszeit um 1689 reiht sich logisch in das Leben des Künstlers ein. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der von Bernini geprägte Stil Thamaschs zu seinem Höhepunkt entwickelt. Der Bildhauer war in den 1680er Jahren in der Kirche des Zisterzienserklosters in Kaisheim und an weiteren Orten der Umgebung beschäftigt. Während seines Aufenthalts in der Region dürften auch unsere Figuren entstanden sein.

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Weitere Ausstattung

 

Neben den aufwendig gearbeiteten Deckengemälden, dem Stuck und den drei Altären befinden sich einige weitere Schmuckstücke in unserer Kapelle.

 

Heilige Katharina

 

Die Figur der heiligen Katharina von Alexandrien wird in die Zeit um 1760 datiert. Katharina zählt zu den bekanntesten Heiligen und wird als eine der 14 Nothelfer besonders bei Krankheiten der Zunge und  Sprachstörungen angerufen. Als Zeichen ihrer königlichen Abstammung wird die Heilige mit einer Krone und prunkvollen Gewändern dargestellt. Die Figur der  Katharina hält in ihrer rechten Hand ein mit Nägeln gesäumtes Rad, durch welches sie zu Tode gemartert werden sollte. Der Legende nach zerstörte ein Engel
das Rad kurz vor der Hinrichtung. Schließlich wurde Katharina mit einem Schwert enthauptet, doch Engel
trugen ihren Leichnam auf den Berg Sinai, wo die Reliquien der Heiligen noch heute im dort gelegenen Katharinenkloster verehrt werden.

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Böhmische Madonna

 

Die Figur der Schmerzhaften Muttergottes wird auch die „Böhmische
Madonna“ genannt. Sie wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Einwanderern aus Böhmen mitgebracht, die in der Leinenspinnerei und Weberei von Maximilian Droßbach Arbeit und in Bäumenheim eine neue Heimat fanden. Im Jahr 1981 erhielt die Marienfigur von Schwestern der Dillinger Franziskanerinnen ein neues, prächtiges Gewand.

Votivtafel

 

Eine Votivtafel aus dem Jahr 1825 hat sich in unserer Kapelle erhalten. Solche Bilder wurden gerne bei der Rettung von Gläubigen aus einer Notlage gestiftet, wenn sie vorher ihren Schutzheiligen um Beistand gebeten hatten. Auf dem Bild befindet sich deshalb der Schriftzug „E VTO“, eine Abkürzung für „ex voto“, also „wegen eines Gelübdes“. Neben dem Heiligen Antonius von Padua zeigt das Bild den Heiligen Erasmus von Antiochia zum Zeitpunkt seines Martyriums. Dem Bischof sollen am lebendigen Leib die Eingeweide herausgezogen worden sein. Erasmus gilt als Schutzpatron bei verschiedenen Krankheiten, wird aber auch von Seefahrern, Drechslern, Seilern und Webern angerufen.

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Messkelch aus einer Augsburger Silberschmiede

 

Der Messkelch, welcher mit der Aufnahme des Messweines einen zentralen
Gegenstand der Liturgie der römisch-katholischen Kirche darstellt, wird in das ausgehende 17. Jahrhundert datiert. Er stammt also noch aus der Erbauungszeit der Kapelle. Der Kelch ist aus teilvergoldetem Silber geschmiedet und mit Medaillons verziert, auf denen die Leidenswerkzeuge
Christi dargestellt sind. Die Punzierung mit den Buchstaben AS weist entweder auf den Künstler Antonius Lesser oder Andreas Lutz hin. Beide waren Ende des 17. Jahrhunderts als Silberschmiede in Augsburg tätig.

Reliquienmonstranz

 

Die Reliquienmonstranz der Kapelle ist jüngeren Datums, lediglich ihr innerer Kern könnte noch der Barockzeit entstammen. Zwei Zettelchen im Mittelpunkt der Monstranz tragen
die Aufschrift S[ancti] Antonii Patavini. Die Reliquie stammt also vom Patron der Kapelle, dem Heiligen Antonius von Padua. Die Monstranz gilt als eines der Attribute des Heiligen. Links und rechts des Hochaltars finden
sich zwei Reliquienkästchen. Darin werden die Hand eines Heiligen sowie ein Kreuznagel, ergänzt durch zahlreiche kleinere Gegenstände, aufbewahrt.